
Der AUHOF-Viehtrieb
Weder die bizarren Canyons der Rocky Mountains und der legendäre Fluss Rio Grande noch die weiten
Graslandschaften Uruguays mit dem Rio de la Plata bilden die Hintergrundkulisse für einen Viehtrieb,
wie er in Nord- und Südamerika schon seit den Pionier-Tagen immer wieder durchgeführt wird. Es ist
das Eyachtal zwischen Balingen und dem Felsenstädtchen Haigerloch, welches mit beeindruckenden
Landschaftsbildern und malerischen Felsformationen besticht. Wenn im Oktober, die Tage kühler wer-
den, die Flüsse anschwellen und das Herbstlaub der Bäume in allen Farben schillert, wird in diesem
idyllischen Tal, zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald, die Legende der amerikanischen Rinder-
hirten ins Leben gerufen. Um die 50 Angusrinder mit Kälbern müssen in zwei Tagen von ihren Weide-
gründen bei Balingen in ihr Winterquartier, den AUHOF, nahe der Felsenstadt Haigerloch getrieben wer-
den. Die Strecke, die bei diesem Cattle Drive zu bewältigen ist beträgt etwa 20 Kilometer und ist in
zwei Etappen aufgeteilt. Dabei geht es über Wiesen und durch Wälder. Straßen müssen überquert wer-
den. Beide Tage fordern harte Arbeit von den Männern, Frauen und auch Jugendlichen, die den Viehab-
trieb auf ihren Pferden begleiten. Für sie wird für zwei Tage der Traum, einmal Rinderhirte zu sein, in Er-
füllung gehen.
Neben der Rinderzucht betreibt Metzgermeister Jürgen Siedler auch leidenschaftlich Pferdezucht und
bietet Pferde zum Verkauf. Bereits sein Vater war ein passionierter Reiter. „Wie der Vater, so der Sohn…“
hieß es wohl auch bei den Siedlers. Jedenfalls zeigte dieser bereits in jungen Jahren, dass er die
Passion seines Vaters teilte. Zuerst galt seine Leidenschaft der klassischen Dressur- und Springreiterei.
Er absolvierte das Reitabzeichen. Immer mehr interessierte er sich schließlich für die Westernreitweise
beziehungsweise die Arbeitsreitweise der Rinderhirten. 1990 erfolgte der Umstieg auf die Westernreiterei.
Anfänglich praktizierte Siedler diese noch mit Quarterhorses und Appaloosas. Täglich mit Arbeiten konfron-
tiert, wie Weidezäune zu kontrollieren, Rinder zu sortieren und auf neue Weiden zu treiben, beschloss der
Rinderzüchter, diese Arbeiten, wie sie auch bei den amerikanischen Cowboys, den spanischen Vaqueros
oder den südamerikanischen Gauchos anfallen, vom Pferd aus zu erledigen. Da für die Arbeitsreiterei zu-
verlässige und gute Pferde Grundvoraussetzung sind und das Quarterhorse mittlerweile immer mehr zum
Show- beziehungsweise Turnierpferd mutiert war, beschloss Jürgen Siedler, sich nach einer anderen ge-
eigneten Pferderasse um zu sehen, mit welcher sich zuverlässig am Rind arbeiten lässt. 2001 kaufte er
sich seinen ersten Criollo. Der Criollo wird in Südamerika traditionell als Arbeitspferd von den Gauchos
– den Rinderhirten Südamerikas – zum Viehhüten eingesetzt.
Zu seinen Eigenschaften zählt der Mustang Südamerikas neben Cowsense auch Zähigkeit, rassetypische
Ausdauer, außerordentliche Härte, Wendigkeit, extreme Trittsicherheit, Zuverlässigkeit, enorme Nerven-
stärke und nicht zuletzt Genügsamkeit in der Haltung. Dies war also genau das richtige Pferd für das ge-
plante Vorhaben: die reelle Arbeit mit dem Pferd an den Rindern. Jedes Frühjahr mussten die Angusrin-
der auf die Weidegründe bei Balingen und im Herbst wieder zurück auf den Auhof bei Haigerloch trans-
portiert werden. Nachdem die Arbeit mit den Pferden am Rind mittlerweile im heimatlichen Stall sehr
gut funktionierte, wurde die Idee geboren, die Rinder künftig nach alter Cowboy- beziehungsweise Gaucho-
manier im Herbst von den Balinger Weidegründen nach Haigerloch zurück zu treiben. Der Auhof-Viehtrieb
war geboren!
Text ©: Carola Lenski
Für Interessierte besteht die Möglichkeit zur Teilnahme am Viehtrieb. Kenntnisse der Rinderarbeit sind dabei
nicht notwendig, allerdings sollten die teilnehmenden Reiter/innen sattelfest sein und über ausreichende
Reitkenntnisse verfügen. Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr. Fremdpferde müssen haftpflichtversichert
sein.
Die Höhe des Unkostenbeitrags für die Teilnahme am Viehtrieb können Sie bei uns erfragen.
